NJW 1984, 2346-2348 (LT1)

Gericht: BGH 6. Zivilsenat

Datum: 1984-05-22

Az: VI ZR 228/82

NK: BGB § 209 Abs 1, ZPO § 253 Abs 2 Nr 2, ZPO § 322 Abs 1

Leitsatz

(Wegfall der verjährungsunterbrechenden Wirkung einer Teilleistungsklage)

1. Die verjährungsunterbrechende Wirkung einer Teilleistungsklage, mit der

mehrere selbständige Ansprüche geltend gemacht werden, ohne diese hinreichend

abzugrenzen, entfällt rückwirkend, wenn der Kläger die Abgrenzung nicht mehr

vornehmen kann, weil der Rechtsstreit rechtskräftig durch ein Urteil

abgeschlossen ist, dessen materielle Reichweite wegen der fehlenden Abgrenzung

nicht festgestellt werden kann.

Orientierungssatz

(Bestimmtheit des Klageanspruchs)

1. Es ist unzulässig, aus einem komplexen Schadensereignis wie einem

Brandschaden verschiedene Schadensgruppen dem Gericht wahlweise oder gar

beliebig zur Ausfüllung des Betrages der Teilklage zur Disposition zu stellen.

2. Bei klar abgrenzbaren Sachgesamtheiten ist das Ersatzbegehren durch den

zusammenfassenden Oberbegriff so hinreichend deutlich bestimmt, daß den

Einzelstücken innerhalb der Sachgesamtheit für die Schadensberechnung nur die

Bedeutung eines unselbständigen Rechnungspostens zukommt (Festhaltung BGH,

1980-02-26, VI ZR 53/79, BGHZ 76, 216, 219).

3. Bei Sachschaden und Verdienstausfallschaden handelt es sich um mehrere

prozessuale Ansprüche; dasselbe gilt für das Verhältnis Gaststätteninventar -

privater Hausrat (Festhaltung BGH, 1957-11-19, VI ZR 122/57, NJW 1958, 343).

4. Auch bei einer Klage, die mangels hinreichender Bestimmtheit des

Klagebegehrens an sich als unzulässig hätte abgewiesen werden müssen, kann ein

dennoch ergangenes Sachurteil gleichwohl in materielle Rechtskraft erwachsen,

wenn nur das Urteil selbst hinreichend deutlich bestimmt und umgrenzt, welchen

prozessualen Anspruch zu welchem Teil es sachlich bescheiden will (Anschluß

BGH, 1952-03-06, IV ZR 80/51, BGHZ 5, 240; Anschluß BGH, 1952-12-15, III ZR

102/52, LM Nr 7 zu § 253 ZPO).

Fundstelle

VersR 1984, 782-784 (LT1)

RuS 1984, 202-202 (L1)

NJW 1984, 2346-2348 (LT1)

DB 1984, 2456-2456 (L1)

MDR 1985, 132-132 (LT1)

BB 1985, 758-758 (S)

LM Nr 49 zu § 209 BGB (LT1)

BGHWarn 1984, Nr 175 (LT1)

Diese Entscheidung wird zitiert von:

AG Wuppertal 1989-03-22 91 C 475/88 So auch

OLG Hamm 1990-06-06 20 U 228/89 Anschluß

KG Berlin 1990-10-16 5 U 7495/88 So auch

Rechtszug:

vorgehend OLG Karlsruhe 1982-07-29 11 U 87/81

vorgehend LG Karlsruhe 1981-08-03 5 O 45/81

Tenor

Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 11. Zivilsenats des

Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 29. Juli 1982 im Kostenpunkt und insoweit

aufgehoben, als es zum Nachteil des Klägers erkannt hat.

Im Umfang der Aufhebung wird der Rechtsstreit zur anderweiten Verhandlung und

Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht

zurückverwiesen.

Tatbestand

Der Kläger verlangt von den beklagten Rechtsanwälten Schadensersatz wegen

Verletzung von Anwaltspflichten.

Der Kläger war früher Pächter der im Clubhaus des FC S in K. befindlichen

Gaststätte. In der Nacht vom 18. zum 19. Juli 1976 brannte das Clubhaus

einschließlich der Gaststätte bis auf die Grundmauern ab. Durch den Brand wurde

das dem Kläger gehörende Wohnungs- und Gaststätteninventar zerstört.

Im Jahre 1978 beauftragte der Kläger die beiden Beklagten, gegen U. eine

Schadensersatzklage zu erheben, da dieser nach den Feststellungen des

Schöffengerichts K. nach einem Einbruch in die Betriebsräume den Schaden durch

fahrlässige Brandstiftung verursacht haben sollte. Die Beklagten machten in der

bei dem Landgericht eingereichten Klageschrift geltend, die Schadenshöhe

betrage "nach Schätzungen mehrere hunderttausend DM". Als Anlage der

Klageschrift überreichten sie ein dreiseitiges Verzeichnis über die

vernichteten Inventarstücke; sie trugen vor, diese hätten einen Zeitwert von

etwa 50.000 bis 60.000 DM gehabt. Das Verzeichnis war untergliedert in

"Wirtschaft", "Küche" und "Privat". Von seiner Hausratversicherung habe der

Kläger für den Verlust eine Entschädigung von 12.760,-- DM erhalten. Der

verbleibende Sachschaden von ca. 30.000 bis 40.000 DM sei nicht abgedeckt, so

daß U. Ersatz zu leisten habe. Hinzu komme der Verdienstausfall des Klägers, da

er erst 6 Monate nach dem Brand eine andere Gaststätte habe pachten können. Der

Ausfall, für den U. aufzukommen habe, belaufe sich auf mindestens 2.000 DM pro

Monat, insgesamt auf mindestens 12.000 DM. Zum Beweis für die Höhe des

Verdienstausfalles bezogen sich die beiden beklagten Rechtsanwälte auf die der

Klage beigefügte Umsatz- und Gewinnberechnung für das Jahr 1975.

In ihrem Klageantrag verlangten die jetzigen Beklagten, U. zu verurteilen, an

den Kläger 15.000,-- DM nebst Zinsen zu zahlen. Sie erklärten ausdrücklich, es

handle sich nur um eine Teilklage. Eine nähere Abgrenzung der Ansprüche

erfolgte nicht.

Das Landgericht wies die Klage als unbegründet ab. Es verneinte sowohl den

Anspruch des Klägers auf Ersatz von Verdienstausfall als auch die Ansprüche

wegen Beschädigung von Inventar. Den Anspruch auf Ersatz von Verdienstausfall

sah es für unbegründet an, weil die vorgelegte Umsatz- und Gewinnberechnung

nicht erkennen lasse, in welcher Höhe dem Kläger ein Verdienstausfall

entstanden sei. Ansprüche auf Ersatz von Inventar wies das Landgericht u.a.

deswegen ab, weil sich dem Sachvortrag des Klägers nicht entnehmen lasse,

welchen Wert die einzelnen Inventarstücke im Zeitpunkt des Brandes gehabt

hatten und deshalb nicht zu erkennen sei, ob dem Kläger über den

Entschädigungsbetrag aus der Hausratversicherung hinaus noch ein Schaden

verblieben sei.

Gegen dieses Urteil legten die Beklagten für den Kläger Berufung ein; sie

versäumten es jedoch, innerhalb der Berufungsbegründungsfrist die Berufung zu

begründen. Die beantragte Wiedereinsetzung wegen der Versäumung der Frist

versagte das Oberlandesgericht und verwarf mit Beschluß vom 5. November 1979

die Berufung des Klägers als unzulässig.

Im jetzigen Rechtsstreit hat der Kläger die Auffassung vertreten, infolge der

Klageabweisung sei es ihm infolge Anwaltsverschulden der Beklagten nun nicht

mehr möglich, von dem Schädiger den ihm zustehenden Schadensersatz zu erlangen.

Die Beklagten seien deshalb verpflichtet, ihm an dessen Stelle den Brandschaden

zu ersetzen und auch die Kosten des Vorprozesses zu tragen. Da er mit seiner

Schadensersatzforderung gegen den Kostenerstattungsanspruch des Schädigers aus

dem Vorprozeß in Höhe von 3.075,67 DM aufgerechnet habe, könne er von den

Beklagten die Zahlung dieses Betrages verlangen. Im übrigen hätten die

Beklagten ihm die Anwaltsgebühren zurückzuerstatten, die er an sie gezahlt habe.

Das Landgericht hat die Beklagten verurteilt, an den Kläger 1.575,-- DM nebst

Zinsen (gezahlte Anwaltsgebühren) zurückzuerstatten und ihn bis zu dem Betrage

von 3.075,67 DM nebst Zinsen von Ansprüchen des U. freizustellen, die diesem

als erstattungsfähige Auslagen in dem früheren Rechtsstreit erwachsen sind. Im

übrigen hat es die Klage abgewiesen. Auf die Berufung des Klägers hat das

Oberlandesgericht die Beklagten verurteilt, den Betrag von 3.075,67 DM nebst

Zinsen unmittelbar an den Kläger zu zahlen. Seine weitergehende Berufung und

die Berufung der Beklagten hat es zurückgewiesen.

Mit der (zugelassenen) Revision verfolgt der Kläger seine Klageansprüche

weiter, soweit er damit bisher nicht durchgedrungen ist.

Entscheidungsgründe

I.

Das Berufungsgericht ist mit dem Landgericht der Auffassung, die Beklagten

hätten dadurch ihre Pflichten aus dem mit dem Kläger geschlossenen

Anwaltsvertrag schuldhaft verletzt, daß sie eine Teilklage erhoben, ohne die

Ersatzansprüche in irgendeiner Weise gegeneinander abzugrenzen, und die

Berufung verspätet begründeten.

Sie seien jedoch nur verpflichtet, dem Kläger die Kosten des verlorenen

Prozesses zu erstatten. Ein weiterer Schaden ist dem Kläger nach Meinung des

Berufungsgerichts nicht entstanden, da er seine Ansprüche auf Ersatz des

Sachschadens und des Verdienstausfalles noch gegen U. weiterverfolgen könne.

Das klagabweisende Urteil des Landgerichts im Vorprozeß habe keine materielle

Rechtskraft entfalten können, da unklar sei, in welchem Umfang das Landgericht

über die Schadensersatzforderungen entschieden habe. Der Kläger habe seine

Ansprüche gegen U. auch nicht durch Verjährung verloren, weil durch die

damalige Klageerhebung die Verjährung unterbrochen worden sei.

II.

Das Berufungsurteil hält den Angriffen der Revision nicht stand.

1. Rechtlich nicht zu beanstanden sind allerdings im wesentlichen die

Erwägungen, von denen das Berufungsgericht zunächst ausgeht.

a) Das Berufungsgericht nimmt zutreffend an, die Beklagten seien, als sie für

den Kläger eine Teilklage erhoben haben, verpflichtet gewesen, diese so

abzufassen und zu begründen, daß sie den Anforderungen an die ausreichende

Bestimmtheit des Klagegrundes nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genügte.

aa) Bei einer Teilleistungsklage, mit der mehrere selbständige prozessuale

Ansprüche geltend gemacht werden, ist es unabdingbar, genau anzugeben, wie sich

der eingeklagte Betrag auf die einzelnen Ansprüche verteilen soll und in

welcher Reihenfolge diese Ansprüche zur Entscheidung des Gerichts gestellt

werden sollen. Andernfalls ergeben sich unüberwindliche Schwierigkeiten bei der

Bestimmung des Streitgegenstandes und damit zusammenhängend auch bei der

Bestimmung der materiellen Rechtskraft (§ 322 Abs. 1 ZPO) und der

Verjährungsunterbrechung (BGH, Urteile vom 15. Dezember 1952 - III ZR 102/52 -

LM § 253 ZPO Nr. 7; vom 30. April 1955 - VI ZR 87/54 - VersR 1955, 403; vom 22.

April 1958 - VI ZR 74/57 - VersR 1958, 564; vom 16. Juni 1959 - V ZR 156/58 -

JZ 1960, 28 mit Anm. von Baumgärtel). Es ist deshalb unzulässig, aus einem

komplexen Schadensereignis wie hier dem Brandschaden verschiedene

Schadensgruppen dem Gericht wahlweise oder gar beliebig zur Ausfüllung des

Betrages der Teilklage zur Disposition zu stellen.

bb) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts ging diese Abgrenzungspflicht

hier zwar nicht so weit, daß beim Gaststätteninventar die Klagesumme auf die

einzelnen Inventarstücke hätte aufgeteilt werden müssen. Bei solchen klar

abgrenzbaren Sachgesamtheiten ist das Ersatzbegehren durch den

zusammenfassenden Oberbegriff so hinreichend deutlich bestimmt, daß den

Einzelstücken innerhalb der Sachgesamtheit für die Schadensabrechnung nur die

Bedeutung eines unselbständigen Rechnungspostens zukommt (Senatsurteil BGHZ 76,

216, 219; Pawlowski, Die bestimmte Angabe des Gegenstandes und des Grundes bei

Teilklagen, in ZZP 78, 307 f.). Für die Abgrenzung des geltendgemachten

Teilbetrages aus dem Schaden an einer solchen Sachgesamtheit genügt die Angabe

der Rangstelle des Teilbetrages innerhalb des Gesamtschadens.

Im Verhältnis des Gaststätteninventars zu den privaten Gegenständen und erst

recht im Verhältnis dieser Sachschäden zu dem Verdienstausfallschaden ist das

jedoch nicht mehr möglich. Diese Schadensgruppen lassen sich nicht mehr als

bloße Rechnungsposten innerhalb eines einheitlichen Ersatzanspruches für

"Brandschäden" auffassen. Hier sind mehrere selbständige prozessuale Ansprüche

geltend gemacht worden.

Für den Verdienstausfall im Verhältnis zum Sachschaden entspricht das ständiger

Rechtsprechung des Senats (Senatsurteil vom 19. November 1957 - VI ZR 122/57 -

NJW 1958, 343).

Für das Verhältnis Gaststätteninventar - privater Hausrat folgt dies schon

daraus, daß wegen des letzteren im Hinblick auf die Hausratversicherung

zumindest teilweise eine unterschiedliche Forderungszuständigkeit in Betracht

kommt. Solche unterschiedlichen Entwicklungen in der Anspruchsinhaberschaft

sprechen regelmäßig für einen prozessual eigenständigen Ersatzanspruch und

gegen einen unselbständigen Schadensrechnungsposten (RGZ 157, 321, 330).

cc) Es kann hier offen bleiben, ob angesichts der Summenverhältnisse das

Klagebegehren im Vorprozeß dahingehend ausgelegt werden konnte, daß der

Verdienstausfallschaden lediglich hilfsweise geltend gemacht werden sollte,

falls der nachgewiesene Sachschaden doch unter der Klagesumme bleiben sollte.

Für das Verhältnis der Sachschäden untereinander, dem am privaten und dem am

gewerblichen Inventar, läßt sich auf jeden Fall keine Abgrenzungsmöglichkeit

erkennen, wie hier die eingeklagte Teilleistung auf die selbständigen Ansprüche

verteilt werden sollte, ob etwa streng in der Reihenfolge der Inventarliste

gestaffelt werden sollte oder etwa nach den dort aufgeführten drei

Bereichsgruppen "Wirtschaft", "Küche" und "Privat". Offen bleibt dabei vor

allem auch, wie die ausgezahlte Versicherungssumme angerechnet werden sollte.

b) Der erkennende Senat folgt dem Berufungsgericht im Ergebnis auch darin, daß

das klageabweisende landgerichtliche Urteil die Ansprüche des Klägers zumindest

zu einem erheblichen Teil nicht rechtskräftig aberkannt hat.

aa) Die mangelnde Bestimmtheit der damals von den Beklagten namens des Klägers

erhobenen Teilklage auf Brandschadenersatz mußte allerdings nicht

notwendigerweise dazu führen, daß das Sachurteil, das sie beschied, keine

materielle Rechtskraft entfaltete. Denn die materielle Rechtskraft eines

Urteils ist allein aus dem Urteil selbst zu ermitteln, so wie es das Gericht

gefällt hat (BGHZ 34, 337, 339; 36, 365, 367; BGH,Urteil vom 22. Mai 1981 - V

ZR 111/80 - NJW 1981, 2306). Auch bei einer Klage, die mangels hinreichender

Bestimmtheit des Klagebegehrens an sich als unzulässig hätte abgewiesen werden

müssen, kann ein dennoch ergangenes Sachurteil gleichwohl in materieller

Rechtskraft erwachsen, wenn nur das Urteil selbst hinreichend deutlich bestimmt

und umgrenzt, welchen (prozessualen) Anspruch zu welchem Teil es sachlich

bescheiden will (BGHZ 5, 240; BGH, Urteil vom 15. Dezember 1952 - III ZR 102/52

- aaO).

bb) Im Vorprozeß wollte das Landgericht über die Ersatzansprüche des Klägers

sachlich entscheiden.

Bezüglich des Sachschadens folgt der erkennende Senat uneingeschränkt dem

Berufungsgericht darin, daß sich hier nicht klären läßt, in welchem Umfang das

Gericht dem Kläger seine Schadensersatzansprüche gegen U. aberkennen wollte.

Die Unklarheit des Klagebegehrens teilt sich insoweit auch dem Urteilsausspruch

mit, der sich in der Abweisung der Teilleistungsklage erschöpft.

Der Senat, der in der Auslegung des Urteils aus dem Vorprozeß frei ist (RGZ

110, 50), vermag auch unter Berücksichtigung der Urteilsgründe nicht zu

erkennen, welche Schadensgruppen in welchem Umfang durch das Urteil erfaßt

werden sollten und auf welche Art und Weise dabei die bereits ausgezahlte

Versicherungssumme berücksichtigt worden ist. Die Entscheidungsgründe des

Urteils erwecken den Eindruck, als sei der gesamte Sachschaden des Klägers

unter einem einheitlichen Ersatzanspruch zusammengefaßt, die Versicherungssumme

hiervon insgesamt als erstrangiger Teilbetrag abgesetzt und ein verbleibender

Restschaden verneint worden. Ein solches Erkenntnis, das die beiden

Schadensgruppen "privates" und "gewerbliches" Inventar unterschiedslos

zusammenfaßt, ermöglicht die erforderliche Aufschlüsselung des abgewiesenen

Schadensbetrages auf die einzelnen prozessualen Ansprüche zur Bestimmung der

Rechtskraft nicht.

Diese Unklarheiten in der Abgrenzung der beschiedenen Schadensersatzansprüche

führen dazu, daß jedenfalls das Erkenntnis über Ersatzansprüche des Klägers

wegen der Sachschäden nicht in materieller Rechtskraft erwachsen konnte, dem

Kläger also insoweit durch das klageabweisende Urteil aus dem Vorprozeß nichts

von seinen Schadensersatzansprüchen gegen U. genommen wurde.

2. Die weiteren Rügen der Revision sind jedoch begründet.

a) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts hat die von den Beklagten für den

Kläger seinerzeit erhobene Teilklage die Verjährung seiner

Schadensersatzansprüche gegen U. nicht unterbrechen können, soweit die

Klageabweisung nicht in Rechtskraft erwachsen ist.

Der Bundesgerichtshof hat zwar anerkannt, daß auch eine unabgegrenzte Teilklage

die Verjährung gemäß § 209 Abs. 1 BGB unterbrechen kann. Konstruktiv hat er das

so begründet, daß die wahlweise geltend gemachten Ansprüche jeweils in Höhe des

eingeklagten Teilbetrages zunächst auflösend bedingt rechtshängig gemacht

worden sind (BGHZ 11, 192, 195 mit Anm. von Johannsen in LM § 253 ZPO Nr. 8;

BGH, Urteile vom 13. Juli 1959 - III ZR 27/58 - NJW 1959, 1819 = VersR 1959,

835 =LM § 209 BGB Nr. 8 und vom 22. Mai 1967 - II ZR 87/65 - VersR 1967, 855 =

ZZP 82, 141 mit Anm. Arens). Verjährungsunterbrechende Wirkung kommt einer

solchen Teilklage aber nur zu, wenn im Laufe des Prozesses die notwendige

Abgrenzung der einzelnen Ansprüche nachgeholt wird und damit klargestellt ist,

in welcher Höhe die Verjährung der Einzelforderungen unterbrochen ist (BGB-RGRK

/Johannsen, 12. Aufl., § 209 Rdn. 17). Nur dann nämlich fällt die Bedingung,

unter der die Klageerhebung erfolgt ist, aus und ihre Wirkungen treten voll

ein. Kann dagegen, wie hier, eine Klarstellung nicht mehr erfolgen, weil der

Rechtsstreit rechtskräftig durch ein Urteil abgeschlossen ist, dessen

materielle Reichweite aus den angegebenen Gründen nicht festgestellt werden

kann, so tritt die (auflösende) Bedingung hinsichtlich aller geltend gemachter

Ansprüche mit der Folge ein, daß rückwirkend die Rechtshängigkeit insgesamt

entfällt und damit auch deren verjährungsunterbrechende Wirkung. Insoweit gilt

im Ergebnis dieselbe Rechtslage wie für einen hilfsweise eingeklagten Anspruch,

über den sachlich nicht entschieden worden ist, weil das Gericht der Hauptklage

stattgegeben hat (BGH, Urt. vom 17. Januar 1968 - VIII ZR 207/65 - NJW 1968,

692, 693 m.w.Nachw.; vgl. auch Rosenberg/ Schwab, Zivilprozeßrecht, 12. Aufl.,

§ 65 IV 3a,§ 101 II 2).

Im Streitfalle wirken sich daher auch für die Frage der

Verjährungsunterbrechung die aufgezeigten Mängel der ausreichenden Bestimmtheit

der Klageforderung des Vorprozesses, die später nicht mehr behoben worden sind,

in gleicher Weise aus, wie sie schon den Eintritt der materiellen Rechtskraft

verhindert haben. Materielles Recht der Verjährung läuft insoweit mit den

prozessualen Anforderungen an eine ausreichend bestimmte Klageerhebung gleich.

Hier wie dort muß bei teilweiser Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen

für den Gegner wie für das Gericht deutlich abgegrenzt sein, welcher Teil aus

dem gesamten Schadenskomplex gemäß § 253 ZPO in die Entscheidung des Gerichts

gestellt und damit gemäß § 209 BGB dem weiteren Lauf der Verjährung entzogen

werden soll. Denn bei einer Teilklage wird nur hinsichtlich des eingeklagten

Teils der Gesamtforderung die Verjährung durch die gerichtliche Geltendmachung

unterbrochen. Unklarheiten hinsichtlich dessen, was eingeklagt ist, teilen sich

so notwendigerweise auch der Bestimmung des Forderungsteils mit, für den die

Verjährung nach § 209 Abs. 1 BGB unterbrochen ist.

Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts stellt sich deshalb die Frage

nach einer ausdehnenden Anwendung des § 212 Abs. 1 BGB im Streitfalle nicht. Ob

auf eine derartige Fallgestaltung § 212 Abs. 2 BGB entsprechend angewendet

werden kann, mag dahinstehen, da eine neue Klage innerhalb der dort

vorgeschriebenen Sechsmonatsfrist hier nicht erhoben worden ist.

Dem Kläger ist mithin durch die von den Beklagten zu vertretende mangelhafte

Klagebegründung ein Schaden entstanden, wenn seine Forderungen gegen U. auf

Ersatz von Sachschäden begründet gewesen sind.

b) Die Revision äußert mit Recht auch Bedenken gegen die Auffassung des

Berufungsgerichts, bezüglich der Abweisung des Anspruchs auf Ersatz von

Verdienstausfall sei ebenfalls keine materielle Rechtskraft eingetreten. Das

Berufungsgericht hält es selbst für erkennbar, inwieweit der Anspruch aberkannt

worden ist, nämlich in Höhe von 12.000 DM für die Zeit vom 19. Juli 1976 bis

19. Januar 1977. Das Landgericht mußte nämlich nach Verneinung von

erstattungsfähigem Sachschaden angesichts der Höhe der Klageforderung von

15.000 DM notwendigerweise in vollem Umfang auf den Verdienstausfallschaden

zurückgreifen. Der Urteilsausspruch war insoweit also nicht unklar.

Die Rechtskraft läßt sich entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts auch

nicht damit verneinen, daß das Landgericht gleichzeitig über einen Anspruch auf

Ersatz von Inventarschäden entschieden hat, und es sich nicht klären ließ, in

welchem Umfang dieser Anspruch aberkannt war. Ob etwas anderes deshalb gelten

kann, weil auch nicht ersichtlich war, in welcher Reihenfolge das Landgericht

die Ansprüche auf Ersatz von Inventarschäden und auf Ersatz von

Verdienstausfall geprüft hat, mag hier dahinstehen. Ist nämlich der

Verdienstausfallschaden rechtskräftig abgewiesen, so haften die Beklagten für

den eingetretenen Anspruchsverlust, weil sie es - wovon bereits das Landgericht

ausging - schuldhaft versäumt haben, die rechtzeitig eingelegte Berufung

fristgemäß zu begründen und dabei die unterlassene Aufgliederung nachzuholen.

Folgt man im Ergebnis dem Berufungsgericht, daß die Abweisung des

Verdienstausfallschadens ebenfalls nicht in materieller Rechtskraft erwachsen

ist, dann konnte die Klageerhebung auch bezüglich dieses Anspruches keine

verjährungsunterbrechende Wirkung entfalten, so daß sich die

Schadensersatzpflicht der Beklagten insoweit - wie hinsichtlich der Ansprüche

auf Ersatz der Inventarschäden - daraus ergibt, daß sie die Anspruchsverjährung

zu vertreten haben.

III.

Bei dieser Rechtslage muß das Berufungsurteil aufgehoben werden, da nun

entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts feststeht, daß die Beklagten dem

Kläger, sofern ihm die geltend gemachten Ersatzansprüche gegen U. zugestanden

haben, durch die schuldhafte Verletzung des Anwaltsvertrages Schaden zugefügt

haben und deshalb verpflichtet sind, ihm Schadensersatz zu leisten.

Der Senat kann jedoch noch nicht abschließend in der Sache entscheiden, da das

Berufungsgericht - von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig - noch keine

Feststellungen dazu getroffen hat, in welcher Höhe dem Kläger tatsächlich

Ansprüche gegen U. zugestanden haben bzw. er diese erfolgreich hätte beitreiben

können (zur Beitreibbarkeit als Regreßvoraussetzung bei Anspruchsverlust vgl.

Senatsurteil vom 23. April 1974 - VI ZR 188/72 - VersR 1974, 906, 907).

Die Sache war daher zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die

Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückzuverweisen.