Titelseite Inhaltsverzeichnis weiter


Vorwort



Der Ratgeber ist aus dem Manuskript für den Einführungslehrgang der Rechtsreferendare entstanden, und stellt kein amtliches Werk dar, sondern gibt lediglich die persönlichen Meinungen des Verfassers wieder.
Er steht jedem Rechtsfreund zur Vervielfältigung und Weitergabe für nicht gewerbliche Zwecke zur Verfügung. Etwaige Veränderungen des Textes bitte ich jedoch kenntlich zu machen.
Er wendet sich an einen Leser, der sein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen hat und eine Anleitung zur praktischen Tätigkeit sucht. Sichere Grundlagenkenntnisse des sachlichen Strafrechts erlauben es, einen nicht allzu verwickelten Fall zügig einer vertretbar begründeten Lösung zuzuführen, die der Referendar auch vor Publikum in freier Rede vortragen und verteidigen kann.
Die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auf zwei Jahre hält zum intensiven Lernen bereits zu Beginn der Station an. Ein Lehrbuch des Strafprozessrechts ist vor der praktischen Tätigkeit gelesen worden. Die im Studium erworbenen Rechtskenntnisse werden durch aufmerksame Lektüre von Gesetzgebung, Rechtsprechung und Literatur jedenfalls der tragenden Entscheidungen in allen Fächern der zweiten Staatsprüfung stets auf dem neuesten Stand gehalten. Nützlich sind auch Kenntnisse der Rechtsgeschichte. Die Strafprozessordnung als ein Gesetzbuch, welches in seinen Leitideen wenigstens teilweise von 1877 stammt, kann ohne einige rechtsgeschichtliche Grundlagen nicht ausreichend verstanden und sinnvoll angewandt werden. (Rüthers NJW 1996, 1249).
Zu Beginn des Referendariats steht die Überlegung, wie die kurze Zeit von 2 Jahren zur Vorbereitung auf die 2. Staatsprüfung sinnvoll eingeteilt wird.
Das Ziel kann nicht sein, auch zu abgelegenen Gebieten die letzte Entscheidung auswendig bereit zu haben, sondern in erster Linie kommt es auf den Überblick über ein Rechtsgebiet, die Kenntnis der tragenden Rechtsgrundsätze, die richtige Arbeitstechnik und das Vermögen an, schnell an der richtigen Stelle zu suchen oder wie es im Erlass über die zweite juristische Staatsprüfung im Frühjahr 1947 (Amtsblatt 1947 S. 99) hieß: “Bei der Prüfung ist mehr auf juristisches Verständnis und die Entwicklungsfähigkeit des Kandidaten als auf Kenntnis theoretischer Einzelheiten Wert zu legen. ”
Nützlich ist Wissen aus Nachbargebieten, z. B. der Rechtsmedizin und der Aussagepsychologie.
Ich empfehle neben dem Referendardienst die regelmäßige Lektüre einer Ausbildungszeitschrift und eine private Arbeitsgemeinschaft mit drei bis fünf Teilnehmern.
Bei der Abfassung von Bescheiden und Anklagen gibt es erhebliche regionale Unterschiede in der äußeren Form. Eine Anklage der Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat eine andere Gestalt als die hier übliche und wiederum eine andere Form als eine solche etwa der Staatsanwaltschaft Nürnberg, obwohl alle das gleiche Gesetz anwenden.
Zur Prüfungsvorbereitung wird es genügen, die Muster von Anklage, Abschlussverfügung und Einstellungsbescheid zu lernen. Das Abfassen eines Strafurteils oder einer Revisionsentscheidung wird üblicherweise nicht erwartet. Das Strafprozessrecht wird eher in der mündlichen Prüfung abgefragt.
Für die gegebenen Ratschläge kann ich keine Haftung übernehmen, da die Auffassungen der einzelnen Prüfer voneinander abweichen können.
Für Anregungen und Hinweise bin ich stets dankbar und unter der Adresse Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Zähringstraße 12, 66119 Saarbrücken zu erreichen.